Feiern wie in den Zwanzigern: Marion über die Gatsby-Party in München

Feiern wie in den Zwanzigern: Marion über die Gatsby-Party in München

Von der Münchner Gastautorin Marion

In den Zwanziger Jahren ging es in der Münchner Partyszene vergleichsweise ruhig zu. Heute bringen Feiern wie die „Party like Gatsby“ Bohème-Schick in die bayerische Hauptstadt. Wir haben uns für euch ins Flapperkleid geworfen.

Ruhig und gesetzt statt wild, verrucht und ausschweifend – wer an München vor 90 Jahren denkt, wird dabei kaum das legendäre Nachtleben der Zwanziger Jahre vor Augen haben. Während in Berlin, damals die drittgrößte Stadt der Welt, in den Revuen am Potsdamer Platz, am Kurfürstendamm und in den Tanzlokalen der Verschwendungssucht und dem Charleston gefrönt wurde und Schriftsteller und Künstler neue Wege beschritten, gaben sich die Münchner in den Goldenen Zwanzigern eher konservativ und modernitätskritisch. In seinem Roman „Erfolg“ beschrieb der Schriftsteller Lion Feuchtwanger die Mentalität der Bayern in dieser Zeit als: „Bauen, brauen, saufen“. Es besteht in Sachen Bohème also dringend Nachholbedarf in der bayerischen Hauptstadt!

Party like Gatsby

Heute sorgen Feten im Stil der Zwanziger Jahre zum Glück dafür, dass sich Feierwillige in Flapperkleider und elegante Anzüge werfen und frivole Feste feiern können. In München lädt einmal im Jahr der Millionär Jay Gatsby, der Held aus F. Scott Fitzgeralds Roman „Der große Gatsby“, zu rauschenden Tanzpartys ein. Die internationale Partyreihe kam dieses Jahr zum sechsten Mal in die bayerische Hauptstadt – und verwandelte Jeansträger in dekadente Diven und lässige Gentleman.

Die Münchner Residenz des großen Gatsby

Nachdem Gatsby im Vorjahr seine engsten Freunde in seinem Secret Garden zu einem spektakulären Sommerfest gebeten hatte, lud er dieses Jahr die Gäste in seine Münchner Residenz im Palais Lenbach ein. Die Eintrittspreise bewegen sich um die 30 Euro. Wer sich früh dafür entscheidet, kann mit den Early Bird Tickets ein wenig sparen. Die Termine gibt der Millionär rechtzeitig auf seiner Facebook-Seite bekannt.

Flapperkleid und Smoking

Die wichtigste Bedingung: Wer wie die New Yorker Gesellschaft in den Goldenen Zwanzigern zur Charleston-Musik swingen will, muss sein Outfit mit Bedacht wählen. Denn Authentizität ist Pflicht für alle, die mit Gatsby feiern möchten. Herren sollten zumindest im Anzug kommen, Frauen ein schickes Kleid und reichlich Schmuck tragen.

Ein Blick in den Palais Lenbach zeigt jedoch, dass sich die Münchner Charleston-Fans deutlich mehr einfallen lassen – und glaubt sich tatsächlich auf einer rauschenden Tanzparty der New Yorker Gesellschaft in den Zwanzigern: Auf den Tanzflächen drängen sich verruchte Femme fatale mit blutrot geschminkten Kussmündern in glänzenden Flapperkleidern und rückenfreien Paillettenkostümen. Federboas, lange Perlenketten, glitzernde Ohrringe und Zigarettenspitzen zwischen behandschuhten Fingern verströmen echten Downtown-Abbey-Schick. Junge Männer versuchen sich im Smoking mit viel Pomade im Haar und Spazierstöcken als elegante Dandies. Dazu lassen Art-DécoSpiegel, Kronenleuchter und bunte Cocktails die kultivierte Extravaganz der Zwanziger wiederauferstehen.

Artisten und Livemusik

Verschiedene Livebands, Tänzer, Popcornverkäufer und Artisten bieten den Gästen dekadente Unterhaltung. Das Kennenlernen fällt in dieser Atmosphäre leicht. Kostüme werden bewundert und professionelle Tänzer zeigen Neugierigen gerne den einen oder anderen Charlston-Schritt. Gefeiert wird auf insgesamt 770 Quadratmetern, verteilt auf drei Areas, die selbstverständlich Jazz und klassischen Swing bieten. Wer nicht Charleston tanzen will, darf sich aber auch zu einfachem Mainstream austoben. Denn solange man es mit Stil tut, ist in den goldenen Zwanzigern schließlich alles erlaubt…

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